In Zeiten von Web 2.0, e-mail und RSS-Feed hat Herr W. einen Brief an die Stadt Köln geschickt, mit der Bitte um eine Eintragung auf www.unortkataster.de. Die Verantwortlichen auf Seiten der Stadt haben uns den Brief in die Redaktion weitergeleitet, wo er einige freudige Reaktionen hervorrief. Diese durch und durch analoge Meldung für eine digitale Plattform steht für das Team des Kölner Unortkatasters in einer stringenten Folge diverser handschriftlicher Eintragungen während der plan08. Wie diese, auf einer überdimensionalen Kölner Stadtkarte kartierten Orte, wurde auch der von Herr W. eingesandte Unort von uns auf www.unortkataster.de eingetragen. Und so ist es für uns gar nicht so sehr der eigentliche Unort, sondern viel mehr die Art und Weise, wie uns der Hinweis auf Selbigen erreichte: Ein guter, alter, handschriftlicher Brief.
In unserem Newsletter vom 4. Dezember 2008 haben wir Sie über eine neue Funktion des Unortkatasters informiert: Unorte können gelöst werden, wenn sich die Situation vor Ort zum Positiven geändert hat. Erkennbar sind die gelösten Unorte durch einen grünen Marker. Momentan verzeichnen wir vier Ex Unorte: “Berger Brücke” in Porz, “Schulpavillon” im Quartier Lateng, “Offene Baustelle” und “Blumenkübel” auf der Burgmauer” in der Innenstadt.
Ergänzung am 7.1.09: Wenn Sie einen »Ex-Unort« entdeckt haben, bitte eine Nachricht an unser Team über das Kontaktformular senden, wir schalten dann den Marker auf grün. Besonders freuen wir uns natürlich, wenn sie ein Bild zu dem Unort hochladen, das die positive Veränderung dokumentiert.
In den letzten Monaten erschienen gleich zwei Publikationen, die unter anderem das Unortkataster thematisieren. Das im Oktober 2008 im transcript-Verlag veröffentlichte englischsprachige Buch von Uwe Seifert, Jin Hyun Kim und Anthony Moore mit dem Titel “Paradoxes of Interactivity” enthält eine Analyse zum Unortkataster, in der besonders der im Forschungsprojekt Citizen Media verfolgte Entwicklungsprozess reflektiert wird.
Doch auch in deutscher Sprache können Wissbegierige seit November 2008 Informationen zum Unortkataster nachlesen: Franz-Reinhard Habbel und Andreas Huber veröffentlichen im letzten Monat die Publikation “Web 2.0 für Kommunen und Kommunalpolitik” im vwh-verlag. In dem Buch wird herausgearbeitet, inwiefern das “Web 2.0″ - in dem die Nutzer nicht nur Konsumenten sind, sondern auch eigene Inhalte generieren - die Entstehung einer neuen Öffentlichkeit ermöglicht, die zukünftig bei der Einbeziehung der Bürger in kommunalpolitische Arbeitsabläufe eine wichtige Rolle spielen könnte.
Das Unortkataster-Team kürt den zweiten bemerkenswerten Unort: Wer sich heute auf dem Barbarossaplatz umschaut stellt sich schnell die Frage, warum dieser Ort den Namen Platz trägt. All über all Verkehrsflächen. Mehrspurige Straßen mit Abbiegerspuren in alle Himmelsrichtungen, dazu die Stadtbahn mit einer großflächigen Haltestelle. Doch damit nicht genug. Damit die Gleise auf der angeblichen Platzmitte zwischen den Bahnsteigen nicht überquert werden, wurde hier einst eine, inzwischen zur totalen visuellen Barriere mutierte Rabatte gepflanzt. User “Eh” belegt in seinem Beitrag jedoch, warum dieser Ort den Namen Platz früher einmal zu Recht trug: Ein tatsächlicher Platz, der nicht nur dem Auto dient.
Am Freitag dem 26.9.2008 war der Beschwerdechor Köln in der Stadt unterwegs, um drei Unorte zu besuchen und zu besingen. Der Film dokumentiert alle Auftritte des sympatischen Chors. Auch das ZDF-Heute Journal war mit einem Team vor (Un)Ort und berichtete am Abend von dem Ereignis.
Der Klang und Medienkünstler Frank Schulte ergänzte im Rahmen der Plan08 die Sammlung der Unorte um zahlreiche akustische Aufzeichnungen: Wir gehen meist davon aus, dass Unorte gesehen werden – aber können wir sie auch hören?
Der Roncalliplatz, ein akustischer Unort? Zur Beispiel-Audiodatei bitte hier klicken. Da die Aufnahmen qualitativ sehr hochwertig sind, empfehlen wir, Kopfhörer zu verwenden.
Ein überdimensionaler Unort-Marker rollte während der Plan08 durch die Straßen Kölns, kritisch beäugt von Passanten. Mit dieser Aktion wollte das Unortkatasterdie Diskussion um die Unorte vom Internet zurück in den Stadtraum bringen − zu den prekären Orten Kölns und in das Bewusstsein der Kölner. Die Route des Markers, der vom Düsseldorfer Künstler Christian Odzuk entworfen wurde, führte entlang ausgewählter Unorte unserer User. Am jeweiligen Unort angekommen befragte ein Filmteam Kölner Passanten nach ihrer Meinung: Ist dieser Ort ein Unort? Die Verwunderung über den auffälligen Marker war groß − ein weiterer Schritt um die Kölner für die Unorte ihrer Stadt zu sensibilisieren?
An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen nun und in Zukunft einen in den Augen der Redaktion des Unortkatasters bemerkenswerten Unort. Zum Start dieser kleinen Serie möchten wir Ihnen gerne Unort Nummer 122 vorstellen: Das ehemalige Lufthansa-Hochhaus am rechtsrheinischen Brückenkopf der Deutzer-Brücke. Dieser Unort sticht aus zweierlei Gründen heraus. Zum einen initiiert er eine rege Diskussion unter den Nutzerinnen und Nutzern, zum anderen aber hat Unort-User “bytheway” mit seiner Fotomontage das Team des Unortkatasters begeistert.
Für den offiziellen Start des Unortkatasters in Köln richtete das Unortkataster-Team im Rahmen der plan08 ein temporäres Unortkatasterbüro im VHS Gebäude am Haubrich-Hof ein. Hier konnten Kölner Bürgerinnen und Bürger ihre persönlichen Unorte sowohl digital im Internt eintragen, als auch analog auf eine Kartenwand des Kölner Stadtbegebiets kleben. Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma eröffnete das Büro am 20. September 2008. Das KHM-Team und die Leitbild2020 Gruppe präsentierten danach den Besuchern gemeinsam die Plattform und erklärten Funktionen und Ziele.
Im Vorfeld der Plan08 hatten wir das Glück, den Köln-Spezialisten Martin Stankowski mit einem Kamerateam durch die Kölner Innenstadt begleiten zu dürfen. Seine Kommentare, die er spontan zu fünf Kölner Unorten abgegeben hat, können jetzt im Unortkataster angeschaut werden. Ein Beispiel zeigen wir hier: